Flores Farm und mymuesli initiieren ein PPP (Public Private Partnership) Projekt in Peru

08.02.2013

Flores Farm und mymuesli initiieren ein PPP (Public Private Partnership) Projekt in Peru

Jochen Wolf, Geschäftsführer der Flores Farm GmbH, Stuttgart, kommt Anfang Oktober von einer Reise aus Peru zurück. Ziel seiner Reise war die Gegend nördlich der peruanischen Hauptstadt. Hier hat Wolf eine Farm und Verarbeitungsanlage besucht, in der Physalis (Kapstachelbeeren) angebaut und getrocknet werden.

 

   

 

Bitte beschreiben Sie das Projekt in Peru.

Wir kennen die Firma Agroandino schon seit vier Jahren. Die Firma hat es sich zum Ziel gesetzt, kleinbäuerliche Strukturen in dem kleinen Dorf San Pablo mit 3'000 Einwohnern in der Provinz Cajamarca zu unterstützen. Einer der Eigentümer, kontaktierte mich wegen des Physalis-Projekts. Das interessierte mich, weil wir noch getrocknete Physalis für unser Bio-Sortiment brauchten. Wir wollten aber nicht irgendeine Physalis Sorte, wir wollten DIE Physalis Sorte. Wir haben über vierzig verschiedene Sorten getestet und schließlich eine gefunden die uns schmeckt

Wir beschlossen mit Agroandino ein Public-Private-Partnership-Projekt durchzuführen. Wir haben den Projektantrag bei der Sequa GmbH, welche dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstellt ist, gestellt. Der Antrag wurde für ein Investitionsvolumen von 250'000 € genehmigt. Durch die Erfahrungen in der über vierjährigen Zusammenarbeit mit Agroandino war ein Vertrauensverhältnis entstanden und wir wagten die Investition in die Ausweitung der Flächen und der Produktion. Wir haben deshalb Kleinbauern identifiziert, geschult und unter Vertrag genommen, die jeweils ungefähr ein Hektar Fläche bearbeiten. Agroandino hat aber auch eigene Felder mit Physalis bepflanzt, um Unzuverlässigkeiten, die bei Kleinbauern immer wieder auftreten, auszugleichen zu können.

 

Woher kam Ihr Vertrauen in dieses Projekt?

Vieles dabei ist mein "Bauchgefühl". Ich muß die Leute sehen. Ich muß ihnen in die Augen schauen, und ich muß mit ihnen über die Felder gehen. Dann sehe ich, mit welcher Leidenschaft die Leute dabei sind. Man spürt sehr schnell, ob es um die Entwicklung der Region geht oder ums Geschäftemachen. Natürlich muss ein Projekt sich tragen, aber um etwas wirklich gut zu machen braucht man Zeit. Schnelles Geld ist hier nicht verdient.

Neben dem Bauchgefühl gehören natürlich auch Fakten dazu. Wurde eine herausragende Sorte zum Anpflanzen identifiziert? Werden eigene Setzlinge gezogen um die Qualität auf den eigenen Feldern aber auch bei den Kleinbauern zu gewährleisten. Ist die Verarbeitung so aufgebaut das wir internationalen Standards gerecht werden? Wie werden die Kleinbauern zwecks Hygiene und Bio Zertifizierung geschult? Und was fehlt letztendlich was wir mit dem PPP Projekt investieren müssen um der führende Anbieter für Premium Bio Physalis zu werden?

Es ist immer schön, wenn man sagt, daß man kleinbäuerliche Strukturen entwickeln will. Gleichzeitig braucht man einen Partner, der in der Lage ist, mit Kleinbauern auch so zu arbeiten, dass die gleiche Sprache gesprochen wird und eine Top Qualität erarbeitet wird. Der Stolz der Bauern in der Region San Pablo an diesem Projekt teilzunehmen ist spürbar. Wir mußten, um die Fördersumme zu erhalten, garantieren, daß wir bis 2013 die Zahl von 100 Kleinbauern erreichen und entsprechende Schulungsmaßnahmen durchführen. Wir werden aber weit über 350 Familien integrieren!

 

Wieviel Geld haben Sie denn vom Ministerium erhalten?

Die Förderquote liegt bei 49%. Der Rest kommt von uns, von  Flores Farm.

 

Lohnt sich das für Sie?

(Lacht) Hätten wir nicht daran geglaubt, wir hätten es nicht gemacht. Wir sind uns des Risikos bewusst, wir sind ja noch eine kleine Firma. Wir verstehen uns als 'Brückenbauer' zwischen Gruppen von Farmern, Kooperativen und dem europäischen Bio-Markt. Wir haben auf der Insel Flores in Indonesien angefangen, indem wir die Vermarktung für 600 Cashewpflanzer-Familien übernommen haben.

Fast drei Jahre haben wir in Indonesien Entwicklungsdienst geleistet, bis das Projekt nach vier Jahren so weit war, daß auch wir einen Ertrag davon hatten. Sicher, wir müssen davon leben. Aber fast noch wichtiger: wir wollen Bio-Projekte fördern. Wir geben uns die entsprechende Zeit, und wir sind sicher, daß wir mit der Qualität, die wir dort produzieren und auch mit dem Knowhow-Transfer für unsere Kunden zu einem attraktiven Lieferanten geworden sind, weil die Qualität und die Verarbeitung in Indonesien oder wie jetzt in Peru einzigartig sind. Und ganz ehrlich: Spaß an der Arbeit ist uns wichtiger als viel Geld zu verdienen. Sonst hätten wir etwas anderes gemacht.

 

Was ist an den getrockneten Physalis einzigartig?

Die einzigartige Sorte habe ich bereits erwähnt. Zur Biofach 2013 werden wir nach Fair for Life Kriterien zertifiziert sein. Nach unseren Informationen sind wir damit die ersten Anbieter. Einzigartig ist auch die schonende Verarbeitung in Rohkostqualität auf teflonbeschichteten Trays bei einer Temperatur unter 45°C. Dadurch erhalten wir Geschmack und Farbe und natürlich die Nährstoffe. Und für unsere Kunden aus der Müslibranche haben wir in Peru eine Schneidemaschine entwickelt. Sie halbiert und viertelt die frischen Früchte bevor sie getrocknet werden, was für Kunden aus der Schokoladenverarbeitung oder aus der Müsliverarbeitung interessant ist.

Unsere Kunden müssen sich auf eine einheitliche Qualität verlassen können. Beim Trocknen können einzelne Beeren etwas dunkler als andere werden. Diese werden nach klaren Kriterien aussortiert und dann zum Beispiel zu Physalis Mehl verarbeitet. Unser Kunde hat also eine einheitlich Farbe und Qualität. Dafür garantieren die Arbeiter und das deutsch-peruanische Management.

 

Sie sind jetzt teilweise zertifiziert. Wer garantiert die Qualität bei Lagerung und Transport?

Einer unserer Kunden in Deutschland hat uns eine ganz klare Spezifikation gegeben. Er braucht die getrockneten und geschnittenen Physalis mit einer ganz bestimmten Feuchtigkeit. Wir haben ein Labor installiert und die Meßmethoden unseres Kunden und der Verarbeitung in Peru abgeglichen. Mit dem Labor sind wir in der Lage, die Spezifikationen jedes Industriekunden zu erfüllen.

 

Herr Wolf, wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt


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